Wie stelle ich fest, was das Unternehmen wert ist, welches ich kaufen möchte?


Das Institut für Mittelstandsforschung Bonn geht aktuell davon aus, dass in Deutschland jährlich für rund 70.000 Unternehmen (meist KMU) die Nachfolgefrage zu lösen ist. Im Zusammenhang mit den Verkäufen oder Übergaben an neue Gesellschafter werden überwiegend Unternehmensbewertungen durchgeführt. Wer ein Unternehmen erwerben möchte, steht vor schwierigen Entscheidungen. Ist die Branche klar, die Chemie mit den Mitarbeitern stimmt, jedenfalls auf den ersten Blick, so stellt sich schnell die Frage des Preises. Der Veräußerer möchte einerseits sein Lebenswerk weiterleben lassen, andererseits muss auch sehr oft das Alterseinkommen aus dem Verkaufserlös finanziert werden.

Doch was wird eigentlich gekauft? GmbHAnteile oder einzelne Wirtschaftsgüter, werden Forderungen und Schulden mit übernommen, wird das zum Betrieb gehörende Grundstück gleich mit gekauft oder bleibt dies beim Veräußerer. Oftmals hängen an einem Grundstück auch gewisse Rechte, die zweifellos mit übergeben werden müssen, beispielsweise das Recht, inmitten der Altstadt eben genau diesen Gewerbebetrieb betreiben zu dürfen. Hinsichtlich der Unternehmensbewertung existieren mehrere Theorien. Die Praxis hingegen stelle eher auf subjektive Entscheidungswerte auf der Grundlage von abgezinsten künftigen Nutzungsbeiträgen der zu bewertenden Firma ab. Gesprochen wird insofern von Marktwerten.

Am Beispiel einer Arztpraxis soll dies näher erläutert werden:

Die Bewertung einer Arztpraxis erfolgt nach Richtlinien der Ärztekammer (Deutsches Ärzteblatt 1987, 926) durch gesonderte Feststellung des Sachwertes und des Geschäftswertes der Praxis (BGH, Urteil v. 24.10.90, FamRZ 1991 S. 43). Der Sachwert ergibt sich aus dem Wert aller Einrichtungsgegenstände, Arbeitsgeräten, Medikamentenvorräten und sonstiger Hilfsmittel. Dem hinzuzurechnen sind die offenen Honorarforderungen zum Stichtag. Der Goodwill einer Arztpraxis setzt einen verfestigten Patientenstamm voraus. Er wird ermittelt, indem man zunächst den durchschnittlichen Bruttojahresumsatz der letzten 3-5 Jahre errechnet und diesen um einen fiktiven Arztlohn bereinigt. Danach wird eine Quote berechnet, die in einer Spannbreite von 20 % bis 35 % vom durchschnittlichen Bruttojahresumsatz liegen kann. Die Quote ergibt sich aus den Einzelumständen, nämlich der Praxislage, örtlichen Gegebenheiten, etc.

Werterhöhende Merkmale sind dabei:
  • Praxis besteht seit mehr als 10 Jahren
  • Hoher Anteil an Privatpatienten
  • Geringe Arztdichte
  • Umfang vorhandener Belegarztrechte
  • Unterdurchschnittliche Kosten

Wertsenkende Merkmale für die Bewertung sind dagegen:
  • Praxis besteht weniger als 3 Jahre
  • Praxisinhaber ist älter als 60 Jahre
  • Praxisinhaber ist bei schlechter
  • Gesundheit
  • Überdurchschnittlich hohe Kosten
  • Hohe Anzahl Angestellter

All diese Faktoren beeinflussen den Kaufpreis.

Von entscheidender Bedeutung ist auch die Frage, ob der Betrieb bisher in eigenen Wie stelle ich fest, was das Unternehmen wert ist, welches ich kaufen möchte? Räumen betrieben wurde. Es kann eine Entscheidung sein, dass der bisherige Betriebsinhaber die Immobilie weiter als Eigentum behält und diese an den Nachfolger vermietet. Wichtig ist jedoch auch hier die langfristige Perspektive. Befürchten Sie, es über kurz oder lang mit einer vielköpfigen zerstrittenen Erbengemeinschaft zu tun zu haben, so kann hierzu nicht ernsthaft geraten werden.

Ist dann der Kaufpreis gefunden, so bieten sich mehrere Möglichkeiten an. Die klassische Bankfinanzierung mit ihren entsprechenden Förderprogrammen ist sicherlich eine Alternative.

Eine andere Möglichkeit könnte jedoch auch eine Verrentung an den bisherigen Eigentümer sein, sichtlich auf beiden Seiten mit Risiken verbunden.

Übrigens: Für die Nachfolgeberatung gibt es unter Umständen Fördermittel des Landes Baden-Württemberg. Lassen Sie sich beraten!

Martina Zimmermann-Brase